Thesaurierung in der GmbH: Gewinne steuergünstig einbehalten
Was ist Thesaurierung in der GmbH?
Thesaurierung bedeutet, dass erwirtschaftete Gewinne nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern im Unternehmen einbehalten werden. Die Gewinne verbleiben als Gewinnrücklagen in der GmbH-Bilanz und stehen für Investitionen, Rücklagenbildung oder Kapitalanlage zur Verfügung.
Der entscheidende Vorteil: Einbehaltene Gewinne werden nur mit Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer belastet — zusammen ca. 30%. Erst bei einer späteren Ausschüttung kommen weitere Steuern auf Gesellschafterebene hinzu.
Der Steuervorteil: Warum Thesaurierung so wirkungsvoll ist
Die Steuerbelastung bei Thesaurierung gegenüber Ausschüttung unterscheidet sich erheblich:
Thesaurierung (Gewinn bleibt in der GmbH):
- •Körperschaftsteuer (§23 KStG): 15,000%
- •Solidaritätszuschlag auf KSt: 0,825%
- •Gewerbesteuer (Hebesatz 400%): 14,000%
- •Gesamtbelastung: ca. 29,825%
Ausschüttung (Gewinn wird an Gesellschafter ausgezahlt):
- •Unternehmensebene: ca. 29,825% (wie oben)
- •Gesellschafterebene: 25% Kapitalertragsteuer + 5,5% Soli = 26,375% auf den verbleibenden Betrag
- •Ggf. Kirchensteuer: zusätzlich 8–9%
- •Gesamtbelastung: ca. 48,3% (ohne Kirchensteuer)
Das bedeutet: Von jedem Euro Gewinn bleiben bei Thesaurierung ca. 70 Cent im Unternehmen. Bei sofortiger Ausschüttung landen nur ca. 51,7 Cent in der Tasche des Gesellschafters.
Die Rechnung: €100.000 Gewinn — Thesaurierung vs. Ausschüttung
Variante 1: Vollständige Thesaurierung
| Position | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Gewinn vor Steuern | €100.000 | |
| Körperschaftsteuer (15%) | €100.000 × 15% | −€15.000 |
| Solidaritätszuschlag (5,5% auf KSt) | €15.000 × 5,5% | −€825 |
| Gewerbesteuer (Hebesatz 400%) | €100.000 × 3,5% × 400% | −€14.000 |
| Verbleibendes Kapital in der GmbH | €70.175 |
Variante 2: Vollständige Ausschüttung
| Position | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Gewinn vor Steuern | €100.000 | |
| KSt + Soli + GewSt (wie oben) | −€29.825 | |
| Ausschüttungsbetrag | €70.175 | |
| Kapitalertragsteuer (25%) | €70.175 × 25% | −€17.544 |
| Soli auf KapESt (5,5%) | €17.544 × 5,5% | −€965 |
| Netto beim Gesellschafter | €51.666 |
Der Unterschied
| Thesaurierung | Ausschüttung | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Verfügbares Kapital | €70.175 (in GmbH) | €51.666 (privat) | €18.509 |
| Steuerbelastung | 29,8% | 48,3% | 18,5 Prozentpunkte |
Bei €100.000 Gewinn stehen Ihnen durch Thesaurierung €18.509 mehr Kapital zur Verfügung — allerdings gebunden in der GmbH.
Wann Thesaurierung sinnvoll ist — und wann nicht
Thesaurierung lohnt sich, wenn:
- •Sie den Gewinn nicht sofort privat benötigen (Lebenshaltungskosten sind durch GF-Gehalt gedeckt)
- •Sie in der GmbH reinvestieren möchten (Betriebserweiterung, neue Mitarbeiter, Maschinen)
- •Sie Kapital anlegen möchten (Wertpapiere, Immobilien, Beteiligungen)
- •Sie langfristigen Vermögensaufbau anstreben (Zinseszinseffekt bei niedrigerer Steuerrate)
- •Ihre persönliche Einkommensteuerbelastung hoch ist (ab ca. 35% Grenzsteuersatz)
Ausschüttung kann besser sein, wenn:
- •Ihr persönlicher Steuersatz niedrig ist (z.B. unter 25% — dann ist das Teileinkünfteverfahren nach §32d Abs. 2 Nr. 3 EStG interessant)
- •Sie das Kapital privat besser anlegen können (z.B. für selbstgenutzte Immobilie)
- •Die GmbH keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten hat
- •Sie Liquidität für private Zwecke benötigen (Hausbau, Ausbildung der Kinder)
- •Sie die GmbH ohnehin auflösen möchten
Reinvestitionsmöglichkeiten innerhalb der GmbH
Thesaurierte Gewinne können innerhalb der GmbH vielfältig eingesetzt werden:
Betriebliche Investitionen
- •Maschinen, Ausstattung, Software
- •Betriebsimmobilien
- •Forschung und Entwicklung
- •Personalaufbau
Kapitalanlagen
- •Wertpapierdepot: Aktien, ETFs, Anleihen — Erträge unterliegen in der GmbH nur ca. 1,5% Steuern auf Dividenden (§8b Abs. 1 KStG: 95% steuerfrei) bzw. ca. 30% auf Kursgewinne
- •Immobilien: Mieteinnahmen werden mit ca. 30% besteuert, Veräußerungsgewinne nach 10 Jahren nicht steuerfrei (anders als privat, da §23 EStG nicht gilt — GmbH ist gewerblich)
- •Beteiligungen: Erwerb von Anteilen an anderen Unternehmen (Holdingstruktur)
Trading-GmbH
Für aktiven Wertpapierhandel kann eine Trading-GmbH besonders attraktiv sein. Kursgewinne werden mit nur ca. 30% besteuert statt mit 26,375% Abgeltungsteuer privat. Der Vorteil: Das volle Kapital arbeitet weiter, ohne dass bei jedem Gewinn Steuern abfließen.
Steuerliche Behandlung verschiedener Anlageformen in der GmbH
| Anlageform | Besteuerung in der GmbH | Besteuerung privat | Vorteil GmbH? |
|---|---|---|---|
| Dividenden (inländisch) | ca. 1,5% (§8b KStG) | 26,375% AbgSt | Ja, massiv |
| Kursgewinne Aktien | ca. 30% (KSt + GewSt) | 26,375% AbgSt | Nein (aber Stundungseffekt) |
| Zinserträge | ca. 30% | 26,375% AbgSt | Nein |
| Mieteinnahmen | ca. 30% | bis 45% + Soli | Ja, bei hohem ESt-Satz |
| Immobilienverkauf | ca. 30% (immer) | 0% nach 10 Jahren | Nein (kein §23 EStG) |
Wichtig: Die Verlustverrechnungsbeschränkung für Aktienveräußerungsverluste (§20 Abs. 6 Satz 5 EStG) gilt nur für Privatanleger. In der GmbH können Aktienverluste uneingeschränkt mit allen anderen Einkünften verrechnet werden — ein erheblicher Vorteil für aktive Anleger.
Langfristiger Vermögensaufbau: Der Zinseszinseffekt
Der wahre Vorteil der Thesaurierung zeigt sich über die Zeit. Durch die niedrigere Steuerbelastung arbeitet mehr Kapital für Sie — und der Zinseszinseffekt verstärkt den Unterschied von Jahr zu Jahr.
10-Jahres-Vergleich: €100.000 jährlicher Gewinn, 7% Rendite
| Jahr | Thesaurierung (30% Steuer) | Ausschüttung & privat anlegen (48,3% + 26,375% auf Erträge) |
|---|---|---|
| 1 | €70.175 | €51.666 |
| 5 | €420.722 | €288.458 |
| 10 | €1.001.445 | €652.891 |
| Differenz nach 10 Jahren | €348.554 |
*Vereinfachte Rechnung. Bei Thesaurierung: Erträge auf Kapitalanlagen in der GmbH ebenfalls mit ca. 30% besteuert. Bei Privatanlage: Erträge mit 26,375% AbgSt besteuert.*
Über 10 Jahre bauen Sie durch Thesaurierung fast €350.000 mehr Kapital auf — allerdings innerhalb der GmbH.
Die Kehrseite: Das Geld ist "eingesperrt"
Der größte Nachteil der Thesaurierung: Das Kapital befindet sich in der GmbH und kann nicht frei privat verwendet werden. Um es zu entnehmen, fallen Ausschüttungssteuern an. Es gibt jedoch mehrere Wege, an das Geld zu kommen:
1. Gewinnausschüttung (teuerste Option)
- •26,375% KapESt + Soli (ggf. Kirchensteuer)
- •Alternativ: Teileinkünfteverfahren (60% steuerpflichtig zum persönlichen Satz)
2. Geschäftsführer-Gehalt erhöhen
- •Muss fremdüblich sein (Vergleich mit externen Geschäftsführern)
- •Sozialversicherung beachten (GGf. als beherrschender GF sozialversicherungsfrei)
- •Lohnsteuer nach persönlichem Tarif
3. Darlehen der GmbH an Gesellschafter
- •Muss zu marktüblichen Konditionen erfolgen (Zinssatz!)
- •Rückzahlung muss realistisch möglich sein
- •Sonst: vGA-Risiko (§8 Abs. 3 KStG)
4. Verkauf der GmbH-Anteile
- •Veräußerungsgewinn ist zu 40% steuerfrei (Teileinkünfteverfahren, §3 Nr. 40 EStG) bei Beteiligungen im Betriebsvermögen, bzw. 26,375% KapESt bei Privatvermögen
- •Freibetrag von €9.060 nach §17 Abs. 3 EStG (wird bei höheren Gewinnen abgeschmolzen)
Thesaurierungsbegünstigung bei Personengesellschaften (§34a EStG) im Vergleich
Seit 2008 können auch Personengesellschaften (OHG, KG, GmbH & Co. KG) von einer Thesaurierungsbegünstigung nach §34a EStG profitieren. Einbehaltene Gewinne werden mit einem ermäßigten Steuersatz von 28,25% (plus Soli) besteuert.
Vergleich GmbH vs. Personengesellschaft
| Kriterium | GmbH (Thesaurierung) | §34a EStG |
|---|---|---|
| Steuersatz auf einbehaltenen Gewinn | ca. 30% (KSt + GewSt) | 28,25% + Soli = 29,83% |
| Nachversteuerung bei Entnahme | 26,375% KapESt | 25% pauschal |
| Gesamtbelastung (thesauriert + entnommen) | ca. 48,3% | ca. 47,4% |
| Flexibilität | Strenge Trennung GmbH/Privat | Entnahme einfacher, aber Nachversteuerung |
| Gewerbesteuer | Voll belastet (kein Freibetrag) | Freibetrag €24.500, Anrechnung §35 EStG |
Fazit: Die Thesaurierungsbegünstigung nach §34a EStG ist für Personengesellschaften eine Alternative, die allerdings komplex ist und sich nur bei dauerhafter Gewinneinbehaltung lohnt. Die GmbH bietet durch die klare Trennung von Unternehmens- und Privatebene oft die einfachere Lösung.
Optimale Strategie: Gehalt + Teilausschüttung + Thesaurierung
In der Praxis empfiehlt sich häufig eine Kombination aus drei Bausteinen:
- 1.Geschäftsführer-Gehalt: Deckt Ihre Lebenshaltungskosten und nutzt den progressiven Einkommensteuertarif bis zum optimalen Punkt (meist bis ca. €60.000–€80.000 zvE)
- 2.Teilausschüttung: Für zusätzlichen privaten Bedarf — nur so viel wie nötig
- 3.Thesaurierung des Restgewinns: Verbleibt in der GmbH für Investitionen und Vermögensaufbau
Beispiel: €200.000 GmbH-Gewinn
| Baustein | Betrag | Steuerwirkung |
|---|---|---|
| GF-Gehalt | €80.000 | ESt ca. €22.000 (effektiv 27,5%) — Betriebsausgabe der GmbH |
| Ausschüttung | €20.000 | KSt/GewSt auf Unternehmensebene + KapESt: insgesamt ca. €9.600 |
| Thesaurierung | €100.000 | Nur KSt + GewSt: ca. €29.825 |
| Gesamt verfügbar | €138.575 |
Ohne GmbH (als Einzelunternehmer bei €200.000 Gewinn): ESt + GewSt ca. €76.000 → Netto: €124.000
Die GmbH-Strategie bringt Ihnen ca. €14.575 mehr — und die €70.175 Thesaurierung arbeiten weiter für Sie.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss die Gesellschafterversammlung die Thesaurierung beschließen?
Ja. Die Verwendung des Jahresüberschusses wird durch Gesellschafterbeschluss festgelegt (§46 Nr. 1 GmbHG). Bei einer Ein-Personen-GmbH ist dies eine Formalität, muss aber dokumentiert werden.
Gibt es eine Pflicht zur Ausschüttung?
Grundsätzlich nein. Es gibt keinen gesetzlichen Zwang zur Gewinnausschüttung. Allerdings haben Minderheitsgesellschafter ein Recht auf angemessene Ausschüttung, wenn die Thesaurierung nicht sachlich begründet ist (Treuepflicht).
Wie wirkt sich Thesaurierung auf den GmbH-Wert aus?
Thesaurierte Gewinne erhöhen das Eigenkapital und damit den Wert der GmbH-Anteile. Das ist relevant beim Verkauf, bei der Erbschaftsteuer und bei der Bewertung für Finanzierungszwecke.
Kann das Finanzamt eine Ausschüttung erzwingen?
Nein, das Finanzamt kann keine Ausschüttung erzwingen. Allerdings kann es bei unangemessener Vergütung des Gesellschafter-Geschäftsführers eine vGA annehmen — was faktisch wie eine Ausschüttung besteuert wird.
Wie lange kann ich Gewinne in der GmbH lassen?
Unbegrenzt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung für die Thesaurierung. Die Gewinne können dauerhaft im Unternehmen verbleiben und dort reinvestiert werden.
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