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Steuerstrategie10 min5. Februar 2026

GF-Gehalt optimieren: So finden Sie den steuerlichen Sweet Spot

GF-Gehalt Optimierung: GesamtsteuerbelastungGesamtsteuerbelastung (%)GF-Gehalt (€)HochNiedrig€0Optimal€200k+Sweet SpotZu niedrigHohe KSt + KapEStZu hochHohe ESt progressivOptimale Aufteilung minimiert GesamtsteuerlastBalance zwischen:KSt/GewSt (Gesellschaft) + ESt (Gehalt)

Warum das GF-Gehalt entscheidend ist

Als GmbH-Geschäftsführer und gleichzeitig Gesellschafter bestimmen Sie Ihr eigenes Gehalt. Dieses Gehalt ist eine Betriebsausgabe der GmbH — es reduziert also den Gewinn und damit die Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. Gleichzeitig zahlen Sie auf das Gehalt persönliche Einkommensteuer. Die Kunst liegt darin, den Punkt zu finden, an dem die Gesamtsteuerbelastung — über beide Ebenen hinweg — minimal ist.

Dieser Artikel zeigt Ihnen die mathematische Logik hinter der Optimierung, gibt Ihnen konkrete Zahlen für verschiedene Gewinnhöhen und erklärt, welche Grenzen das Finanzamt setzt.

Die zwei Steuer-Ebenen im Zusammenspiel

Ebene 1 — GmbH:

  • Körperschaftsteuer: 15% auf den Gewinn (nach Abzug des GF-Gehalts)
  • Solidaritätszuschlag: 0,825% (5,5% auf KSt)
  • Gewerbesteuer: 3,5% × Hebesatz auf den Gewinn

Ebene 2 — Geschäftsführer (privat):

  • Einkommensteuer: progressiv 14% bis 45%
  • Solidaritätszuschlag: 5,5% auf ESt (mit Freigrenze)
  • Ggf. Kirchensteuer: 8–9% auf ESt

Ebene 3 — Gewinnausschüttung (wenn Gewinn entnommen wird):

  • Kapitalertragsteuer: 25% + 5,5% Soli = 26,375% auf den ausgeschütteten Betrag
  • Oder Teileinkünfteverfahren: 60% × persönlicher Steuersatz

Die Mathematik der Optimierung

Das Grundprinzip

Jeder Euro, der als GF-Gehalt gezahlt wird, spart der GmbH:

  • 15% KSt + 0,825% Soli + GewSt (z.B. 14% bei Hebesatz 400%) = ca. 29,825%

Gleichzeitig kostet jeder Euro GF-Gehalt den Geschäftsführer:

  • ESt zum Grenzsteuersatz (14% bis 45%) + ggf. Soli + KiSt

Der Sweet Spot liegt dort, wo der Grenzsteuersatz der ESt die Gesamtsteuerersparnis auf GmbH-Ebene übersteigt.

Bei einem Hebesatz von 400% und ohne Kirchensteuer:

  • GmbH-Steuer gespart pro Euro: ca. 29,83%
  • ESt-Grenzsteuersatz bei €66.760: 42%

Das bedeutet: Solange der ESt-Grenzsteuersatz unter ca. 30% liegt, ist jeder Euro Gehalt steuerlich vorteilhafter als Thesaurierung. Der Grenzsteuersatz erreicht 30% bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. €40.000–€45.000.

Aber: Die Ausschüttungsbesteuerung ändert das Bild

Wenn der in der GmbH verbleibende Gewinn irgendwann ausgeschüttet wird, kommen noch 26,375% KapESt hinzu. Die effektive Gesamtbelastung auf ausgeschüttete GmbH-Gewinne berechnet sich als:

Gesamtbelastung = GmbH-Steuer + (1 − GmbH-Steuer) × KapESt

Bei 400% Hebesatz:

= 29,825% + (1 − 29,825%) × 26,375%

= 29,825% + 18,510%

= 48,335%

Das ist höher als der Spitzensteuersatz von 42%! Daher gilt: Wenn der Gewinn ohnehin ausgeschüttet werden muss, ist ein höheres GF-Gehalt oft vorteilhaft — bis zum Spitzensteuersatz.

Optimale Bereiche in der Praxis

GmbH-Gewinn (vor GF-Gehalt)Optimales GF-Gehalt (ledig, 400%)Optimales GF-Gehalt (verheiratet, 400%)Thesaurierter Rest
€80.000€55.000 – €60.000€70.000 – €75.000€20.000 – €25.000
€100.000€60.000 – €65.000€75.000 – €80.000€35.000 – €40.000
€150.000€65.000 – €75.000€80.000 – €95.000€75.000 – €85.000
€200.000€70.000 – €85.000€90.000 – €110.000€115.000 – €130.000
€300.000€80.000 – €100.000€100.000 – €130.000€200.000 – €220.000
€500.000€100.000 – €130.000€120.000 – €160.000€370.000 – €400.000

Praxis-Tipp: Berücksichtigen Sie bei der Optimierung auch die Sozialversicherung. Als beherrschender Gesellschafter-GF (≥ 50% Anteile) sind Sie zwar sozialversicherungsfrei in der gesetzlichen SV, aber Sie benötigen private Krankenversicherung und Altersvorsorge. Diese Kosten steigen mit dem Gehalt.

Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) — Die Grenzen des Finanzamts

Was ist eine vGA?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) liegt vor, wenn die GmbH ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer einen Vorteil gewährt, den ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter einem fremden Dritten unter gleichen Umständen nicht gewährt hätte (§8 Abs. 3 Satz 2 KStG).

Die Folgen einer vGA

  1. 1.Auf GmbH-Ebene: Der als vGA qualifizierte Betrag wird dem Gewinn hinzugerechnet → höhere KSt + GewSt
  2. 2.Beim Gesellschafter: Der Betrag wird als Kapitalertrag besteuert (26,375% KapESt) — zusätzlich zur bereits gezahlten ESt auf das Gehalt
  3. 3.Doppelbesteuerung: Im schlimmsten Fall wird der gleiche Betrag sowohl als Gehalt (ESt) als auch als Ausschüttung (KapESt) besteuert
  4. Angemessenheitsprüfung des GF-Gehalts

    Das Finanzamt prüft die Angemessenheit anhand mehrerer Kriterien:

    1. Gesamtausstattung (BFH-Rechtsprechung)

    Die Gesamtbezüge dürfen in der Regel 75% des Jahresgewinns (vor GF-Gehalt) nicht übersteigen. Bei kleinen GmbHs wird oft ein Rahmen von 50–75% akzeptiert.

    2. Einzelkomponenten

    Jede Gehaltskomponente muss für sich angemessen sein:

    • Festgehalt
    • Tantieme (Bonus)
    • Sachbezüge (Dienstwagen, Wohnung)
    • Altersversorgung (Pensionszusage)

    3. Fremdvergleich (Drittvergleich)

    Was würde ein fremder Geschäftsführer in vergleichbarer Position verdienen? Branchenübliche Gehaltsstudien (z.B. Kienbaum, BBE) dienen als Referenz.

    Wichtige BFH-Urteile zur vGA

    UrteilKernaussage
    BFH v. 05.10.1994, I R 50/9475%-Grenze als Obergrenze für GF-Gesamtbezüge
    BFH v. 27.02.2003, I R 46/01Tantiemen bis 50% des Jahresüberschusses sind angemessen
    BFH v. 04.06.2003, I R 24/02Nur-Tantieme (ohne Festgehalt) ist idR vGA
    BFH v. 28.06.2006, I R 137/04Firmenwagen: 1%-Regelung kann als vGA gewertet werden bei unangemessener Nutzung
    BFH v. 11.09.2013, I R 28/13Pensionszusage: Mindestalter 27, Probezeit, Erdienensdauer

    Praxis-Tipp: Dokumentieren Sie die Grundlage für jede Gehaltskomponente schriftlich. Ein Gesellschafterbeschluss mit Begründung (Vergleichsgehälter, Branchenüblichkeit) schützt Sie im Falle einer Betriebsprüfung.

    Tantieme (Bonus) als Optimierungsinstrument

    Grundsätze der Tantieme

    Eine Tantieme ist eine gewinnabhängige Vergütung. Sie erlaubt es, das GF-Gehalt flexibel an die Gewinnsituation anzupassen — in guten Jahren mehr, in schlechten Jahren weniger.

    Steuerlich anerkannte Tantieme-Regelungen

    • Gewinntantieme: Prozentsatz des Jahresüberschusses (idR 25–50%)
    • Umsatztantieme: Prozentsatz des Umsatzes (weniger üblich, riskanter bei vGA-Prüfung)
    • Bemessungsgrundlage: Klar im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag definieren (vor oder nach Steuern, vor oder nach Tantieme)

    Praxis-Tipp: Eine Tantieme von 25–33% des Jahresüberschusses (vor Steuern, vor Tantieme) wird vom Finanzamt in der Regel akzeptiert. Bei Tantiemen > 50% steigt das vGA-Risiko erheblich.

    Tantieme-Beispiel

    GmbH-Gewinn vor GF-Bezügen: €200.000

    • Festgehalt: €72.000
    • Tantieme: 25% × (€200.000 − €72.000) = €32.000
    • Gesamtbezüge: €104.000
    • Verhältnis zum Gewinn: 52% → im grünen Bereich

    Pensionszusage (betriebliche Altersversorgung)

    Das Prinzip

    Die GmbH kann dem Gesellschafter-GF eine Pensionszusage erteilen. Die jährlichen Zuführungen zur Pensionsrückstellung sind Betriebsausgaben der GmbH — sie mindern den Gewinn, ohne dass aktuell Geld fließt.

    Steuerliche Vorteile

    1. 1.GmbH-Ebene: Pensionsrückstellung mindert den Gewinn → weniger KSt + GewSt
    2. 2.GF-Ebene: Keine sofortige Besteuerung (erst bei Auszahlung im Ruhestand)
    3. 3.Steuerstundung: Der Vorteil wirkt wie ein zinsloses Darlehen vom Finanzamt
    4. Voraussetzungen (strenge Formvorschriften)

      • Erdienungsdauer: Mindestens 10 Jahre zwischen Zusage und Pensionseintritt
      • Mindestalter: Pensionsalter mindestens 62 Jahre (nach aktuellem BMF-Schreiben)
      • Probezeit: Keine Zusage in den ersten 2–3 Jahren der Geschäftsführertätigkeit
      • Angemessenheit: Pensionszusage + laufendes Gehalt dürfen zusammen nicht unangemessen sein
      • Schriftform: Klare, eindeutige Versorgungszusage erforderlich
      • Rückdeckung: Empfohlen (z.B. Rückdeckungsversicherung), aber nicht zwingend

      Rechenbeispiel Pensionszusage

      • GF-Alter: 45 Jahre, Pensionsalter: 67 Jahre
      • Pensionszusage: €3.000/Monat ab Pensionseintritt
      • Jährliche Rückstellungszuführung (vereinfacht): ca. €15.000
      • Steuerersparnis GmbH (bei 30%): €4.500/Jahr
      • Über 22 Jahre: €99.000 Steuerersparnis (ohne Zinseffekt)

      Praxis-Tipp: Die Pensionszusage ist ein mächtiges Instrument, aber mit erheblichen Risiken. Wenn die GmbH wirtschaftlich scheitert, kann die Pensionszusage wertlos werden. Eine Rückdeckungsversicherung (Congruent Reinsurance) ist dringend empfohlen. Die Kosten dafür sind ebenfalls Betriebsausgaben.

      Beispielrechnungen bei drei Gewinnstufen

      Gewinn €100.000 — Optimierung

      VarianteGF-GehaltKSt+GewStEStKapESt (auf Rest)Gesamtsteuer
      A: Niedrig€40.000€17.895€8.452€11.100€37.447
      B: Optimal€62.000€11.336€15.842€6.842€34.020
      C: Hoch€85.000€4.474€25.461€2.772€32.707
      D: Thesaurierung€40.000€17.895€8.452€0€26.347

      Ergebnis: Bei voller Entnahme ist ein hohes Gehalt (C) am besten. Bei Teilthesaurierung (D) ist ein niedrigeres Gehalt besser. Die Optimierung hängt entscheidend davon ab, wie viel Sie privat brauchen.

      Gewinn €200.000 — Optimierung

      VarianteGF-GehaltKSt+GewStEStKapESt (auf Rest)Gesamtsteuer
      A: Niedrig€50.000€44.738€12.117€27.726€84.581
      B: Optimal€80.000€35.790€22.890€22.170€80.850
      C: Max ESt€120.000€23.868€39.506€14.780€78.154
      D: Thesaurierung€60.000€41.748€15.842€0€57.590

      Gewinn €400.000 — Optimierung

      VarianteGF-GehaltKSt+GewStEStKapESt (auf Rest)Gesamtsteuer
      A: Niedrig€60.000€101.430€15.842€63.306€180.578
      B: Optimal€100.000€89.550€32.790€55.476€177.816
      C: Max vor 45%€130.000€80.603€45.644€49.596€175.843
      D: Thesaurierung€80.000€95.490€22.890€0€118.380

      Die Betriebsprüfung: Worauf das Finanzamt achtet

      Bei einer Betriebsprüfung (die statistisch alle 15–20 Jahre bei kleinen GmbHs stattfindet) prüft der Prüfer insbesondere:

      1. 1.Gehaltsvergleich: Ist das Gehalt branchenüblich? Vergleich mit BBE-/Kienbaum-Studien
      2. 2.Gesamtausstattung: Übersteigen die Gesamtbezüge 75% des Gewinns?
      3. 3.Nur-Tantieme: Gibt es ein angemessenes Festgehalt, oder wird nur Tantieme gezahlt?
      4. 4.Rückwirkung: Wurde das Gehalt rückwirkend erhöht? (Starkes vGA-Indiz)
      5. 5.Sachbezüge: Dienstwagen, Wohnung, Reisen — privater Nutzungsanteil korrekt versteuert?
      6. 6.Pensionszusage: Formvorschriften eingehalten? Erdienungsdauer? Angemessenheit?
      7. Praxis-Tipp: Führen Sie einen jährlichen "Selbst-Check" durch: Vergleichen Sie Ihre Bezüge mit Branchenstudien und dokumentieren Sie das Ergebnis. Im Prüfungsfall zeigt dies dem Finanzamt, dass Sie sich bewusst mit der Angemessenheit beschäftigt haben.

        Häufige Fehler bei der GF-Gehalts-Optimierung

        1. 1.Gehalt nie anpassen — Der optimale Betrag ändert sich mit dem Gewinn. Jährliche Überprüfung empfohlen.
        2. 2.Nur auf Steuerminimierung schauen — Sozialversicherung, Krankenversicherung und Altersvorsorge berücksichtigen
        3. 3.Keine schriftliche Vereinbarung — Der GF-Anstellungsvertrag muss die Bezüge klar regeln
        4. 4.Rückwirkende Gehaltserhöhung — Fast immer vGA. Gehaltsanpassungen nur prospektiv (im Voraus).
        5. 5.Tantieme ohne Festgehalt — Wird vom BFH als vGA gewertet (BFH I R 24/02)
        6. FAQ

          Muss ich als Gesellschafter-GF ein Gehalt beziehen?

          Nein, es gibt keine Pflicht. Sie können auch ausschließlich von Gewinnausschüttungen leben. Allerdings ist ein angemessenes Gehalt steuerlich meist vorteilhafter (niedrigere Gesamtsteuerbelastung).

          Wie oft kann ich das GF-Gehalt anpassen?

          Grundsätzlich jederzeit durch Gesellschafterbeschluss, aber nur prospektiv (für die Zukunft). Rückwirkende Erhöhungen sind ein starkes Indiz für eine vGA. In der Praxis wird eine jährliche Anpassung empfohlen.

          Kann ich mir Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) zahlen?

          Ja, wenn dies im GF-Anstellungsvertrag vereinbart ist und die Gesamtausstattung angemessen bleibt. Sonderzahlungen, die nur in guten Jahren gewährt werden, können als vGA gewertet werden.

          Wie wirkt sich ein Minijob des Ehepartners in der GmbH aus?

          Der Ehepartner kann als Minijobber (€520/Monat) angestellt werden. Das Gehalt ist Betriebsausgabe der GmbH und beim Ehepartner steuerfrei. Voraussetzung: tatsächliche Arbeitsleistung und Fremdvergleich. Typische Tätigkeiten: Büroorganisation, Buchhaltung, Social Media.

          Was gilt bei einer Ein-Personen-GmbH vs. Mehrpersonen-GmbH?

          Bei einer Ein-Personen-GmbH (100% Beteiligung) prüft das Finanzamt besonders streng, da kein natürliches Korrektiv durch andere Gesellschafter besteht. Bei Mehrpersonen-GmbHs wird die Angemessenheit großzügiger beurteilt, insbesondere wenn auch Fremdgesellschafter beteiligt sind.

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