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Praxiswissen9 min9. Februar 2026

GmbH Firmenwagen: 1%-Regelung, Fahrtenbuch und Steuervorteile

Warum ein Firmenwagen über die GmbH steuerlich so attraktiv ist

Ein Firmenwagen ist für GmbH-Geschäftsführer eines der wirksamsten Steuergestaltungsinstrumente. Der Grund ist einfach: Alle Kosten des Fahrzeugs — Anschaffung, Leasing, Versicherung, Wartung, Kraftstoff — sind Betriebsausgaben der GmbH und mindern den körperschaftsteuer- und gewerbesteuerpflichtigen Gewinn. Die private Nutzung wird dagegen nur pauschal oder nach tatsächlichem Aufwand versteuert.

Im Ergebnis können Sie ein Fahrzeug nutzen, das brutto deutlich teurer wäre, wenn Sie es privat aus versteuertem Einkommen finanzieren müssten. Bei einem Spitzensteuersatz von 42% plus Solidaritätszuschlag müssten Sie privat fast das Doppelte des Nettopreises verdienen — in der GmbH liegt die Steuerbelastung auf den Fahrzeugkosten bei nur ca. 30% (KSt + GewSt).

Die 1%-Regelung erklärt (§6 Abs. 1 Nr. 4 EStG)

Die 1%-Regelung ist die pauschale Methode zur Versteuerung der privaten Nutzung eines Firmenwagens. Sie müssen kein Fahrtenbuch führen — stattdessen wird jeden Monat 1% des inländischen Bruttolistenpreises (zum Zeitpunkt der Erstzulassung, inklusive Sonderausstattung und Umsatzsteuer) als geldwerter Vorteil versteuert.

So wird gerechnet

Monatlicher geldwerter Vorteil = Bruttolistenpreis × 1%

Wichtig: Es zählt der Listenpreis, nicht der tatsächlich gezahlte Preis. Auch bei gebraucht gekauften Fahrzeugen oder hohen Rabatten bleibt der ursprüngliche Bruttolistenpreis maßgebend (BFH-Urteil VI R 51/11).

Rechenbeispiel: BMW 5er mit Listenpreis €58.000

PositionBerechnungMonatlichJährlich
1% Bruttolistenpreis€58.000 × 1%€580€6.960
Lohnsteuer darauf (42% Grenzsteuersatz)€580 × 42%€243,60€2.923
Soli (5,5%)€243,60 × 5,5%€13,40€161
Steuerbelastung privat€257€3.084

Die GmbH setzt dagegen alle laufenden Kosten ab. Bei typischen Gesamtkosten von ca. €900/Monat (Leasing + Versicherung + Wartung + Kraftstoff) spart die GmbH auf Unternehmensebene ca. €270/Monat an Steuern (30% von €900).

Nettoeffekt: Sie fahren einen BMW 5er für effektiv ca. €630/Monat weniger als bei privater Finanzierung.

Die 0,03%-Regel für den Arbeitsweg

Zusätzlich zur 1%-Regelung wird für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ein weiterer geldwerter Vorteil angesetzt:

0,03% × Bruttolistenpreis × einfache Entfernung in km

Rechenbeispiel: 25 km einfache Entfernung, BMW 5er (€58.000)

  • Monatlicher Zuschlag: €58.000 × 0,03% × 25 km = €435
  • Jährlich: €5.220
  • Abzüglich Entfernungspauschale (§9 Abs. 1 Nr. 4 EStG): 25 km × 230 Tage × €0,30 = €1.725
  • Netto-Mehrbelastung: €3.495/Jahr

Praxis-Tipp: Wenn Sie weniger als 15 Tage pro Monat zur Arbeitsstätte fahren (z.B. im Homeoffice), können Sie statt der 0,03%-Pauschale die Einzelbewertung mit 0,002% pro tatsächlicher Fahrt wählen (BMF-Schreiben vom 04.04.2018). Das kann erheblich günstiger sein.

Fahrtenbuch-Methode: Wann lohnt sie sich?

Bei der Fahrtenbuch-Methode (§6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG) werden die tatsächlichen Kosten des Fahrzeugs ermittelt und nach dem Verhältnis von privaten zu dienstlichen Kilometern aufgeteilt. Der private Anteil wird als geldwerter Vorteil versteuert.

Das Fahrtenbuch lohnt sich, wenn:

  • Der Listenpreis des Fahrzeugs hoch ist, aber die tatsächlichen Kosten gering (z.B. Gebrauchtwagen)
  • Der private Nutzungsanteil gering ist (unter 30%)
  • Das Fahrzeug bereits abgeschrieben ist (niedrige AfA)
  • Sie ein E-Auto mit niedrigen Betriebskosten fahren

Anforderungen an das Fahrtenbuch

Das Finanzamt stellt strenge Anforderungen an die Ordnungsmäßigkeit:

  • Zeitnah geführt (nicht nachträglich rekonstruiert)
  • Lückenlos: Jede Fahrt muss dokumentiert sein
  • Gebundene Form oder anerkannte elektronische Lösung
  • Für jede dienstliche Fahrt: Datum, Kilometerstand, Reiseziel, Reisezweck, aufgesuchter Geschäftspartner
  • Für Privatfahrten: Kilometerangabe genügt

Warnung: Wird das Fahrtenbuch vom Finanzamt verworfen, greift automatisch die 1%-Regelung — rückwirkend für das gesamte Jahr.

Vergleichsrechnung: Fahrtenbuch vs. 1%-Regelung

Szenario: Gebrauchter Mercedes E-Klasse, Listenpreis €65.000, Kaufpreis €32.000

1%-RegelungFahrtenbuch
Jährlicher geldwerter Vorteil€65.000 × 12% = €7.800Tatsächliche Kosten × Privatanteil
Gesamtkosten p.a. (geschätzt)€8.400 (AfA €5.333 + Betrieb €3.067)
Privatanteil 25%€8.400 × 25% = €2.100
Ersparnis Fahrtenbuch€5.700/Jahr

In diesem Fall spart das Fahrtenbuch über €5.700 pro Jahr an zu versteuerndem geldwertem Vorteil.

E-Auto-Sonderregelungen: 0,25% und 0,5%

Für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride gelten reduzierte Sätze, die den Firmenwagen steuerlich noch attraktiver machen:

0,25%-Regelung (reine E-Autos bis €70.000 Bruttolistenpreis)

Seit 2019 wird bei reinen Elektrofahrzeugen mit einem Bruttolistenpreis von maximal €70.000 nur 0,25% des Listenpreises als monatlicher geldwerter Vorteil angesetzt (§6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 EStG). Diese Regelung gilt bis mindestens 31.12.2030.

0,5%-Regelung (E-Autos über €70.000 und Plug-in-Hybride)

Für reine Elektrofahrzeuge mit einem Bruttolistenpreis über €70.000 sowie qualifizierte Plug-in-Hybride gilt die 0,5%-Regelung.

Rechenbeispiel: Tesla Model 3 (Listenpreis €46.000)

PositionVerbrenner (1%)E-Auto (0,25%)
Monatlicher geldwerter Vorteil€460€115
Jährlich zu versteuern€5.520€1.380
Steuerbelastung (42% + Soli)€2.453€613
Jährliche Ersparnis E-Auto€1.840

Zusätzlich spart die GmbH bei E-Autos Kraftstoffkosten und profitiert von niedrigeren Wartungskosten. Die THG-Quote kann als zusätzliche Einnahme geltend gemacht werden.

vGA-Risiko: Private Nutzung durch den Gesellschafter

Die verdeckte Gewinnausschüttung (vGA, §8 Abs. 3 Satz 2 KStG) ist das größte Risiko beim GmbH-Firmenwagen. Eine vGA liegt vor, wenn die private Nutzung nicht ordnungsgemäß geregelt ist und das Finanzamt die Fahrzeugüberlassung als verdeckte Zuwendung an den Gesellschafter wertet.

So vermeiden Sie eine vGA:

  • Schriftlicher Überlassungsvertrag zwischen GmbH und Geschäftsführer (vor Anschaffung!)
  • Klare Regelung zur privaten Nutzung im Anstellungsvertrag
  • Angemessenes Gesamtgehalt (Gehalt + geldwerter Vorteil muss fremdüblich sein)
  • Kein überdimensioniertes Fahrzeug im Verhältnis zur Unternehmensgröße
  • Ordnungsgemäße Verbuchung aller Fahrzeugkosten

Wichtig: Bei einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer prüft das Finanzamt besonders genau. Vereinbarungen müssen im Vorhinein (nicht rückwirkend) getroffen werden.

Leasing vs. Kauf in der GmbH

Leasing

  • Leasingraten sind sofort Betriebsausgaben — keine Aktivierung in der Bilanz
  • Bessere Liquiditätsplanung durch feste monatliche Raten
  • Nach Leasingende: Rückgabe oder Kauf zum Restwert
  • Vorsteuerabzug auf Leasingraten (bei umsatzsteuerpflichtiger GmbH)

Kauf

  • AfA über 6 Jahre (Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle)
  • Bei Gebrauchtwagen: verkürzte Restnutzungsdauer möglich
  • Fahrzeug bleibt im Betriebsvermögen — Wertzuwachs bei Verkauf ist steuerpflichtig
  • Sonderabschreibung nach §7g EStG möglich (bei Anschaffungskosten bis €150.000 netto, Investitionsabzugsbetrag)

Empfehlung: Leasing ist oft vorteilhaft bei Fahrzeugen mit hohem Wertverlust (Neuwagen). Kauf lohnt sich bei wertbeständigen Fahrzeugen oder wenn Sie das Fahrzeug lange nutzen möchten.

Leasing vs. Kauf im Vergleich: Zusammenfassung

KriteriumLeasingKauf
LiquiditätGeringe monatliche BelastungHoher Anfangsaufwand
BilanzwirkungNicht aktiviert (Off-Balance)Aktivierung im Anlagevermögen
Steuerliche AbsetzbarkeitSofort als BetriebsausgabeÜber AfA (6 Jahre linear)
FlexibilitätFahrzeugwechsel alle 2–3 JahreLangfristige Bindung
GesamtkostenOft höher durch FinanzierungsaufschlagOft günstiger bei langer Nutzung
RestwertrisikoBeim LeasinggeberBeim Unternehmen
VorsteuerabzugAuf jede LeasingrateEinmalig auf Kaufpreis
Sonderabschreibung (§7g EStG)Nicht möglichMöglich (IAB bis 50% vorab)

Praxis-Tipp zum Investitionsabzugsbetrag (IAB): Beim Kauf eines Firmenwagens können Sie nach §7g EStG bereits bis zu 3 Jahre vor der Anschaffung einen Investitionsabzugsbetrag von 50% der geplanten Anschaffungskosten (max. €200.000 Gesamtsumme aller IAB) gewinnmindernd geltend machen. Im Jahr der Anschaffung kann zusätzlich eine Sonderabschreibung von 20% erfolgen. Dies ist besonders interessant für GmbHs mit schwankenden Gewinnen, um Steuerspitzen zu glätten.

Gesamtvergleich: Was kostet der Firmenwagen wirklich?

Um die Entscheidung greifbar zu machen, hier ein vollständiger Kostenvergleich über 3 Jahre:

Annahmen: BMW 5er, Bruttolistenpreis €58.000, Leasingrate €650/Monat, Versicherung €180/Monat, Wartung €80/Monat, Kraftstoff €150/Monat, Hebesatz 400%, persönlicher Grenzsteuersatz 42%

PositionFirmenwagen GmbHPrivat finanziert
Fahrzeugkosten (3 Jahre)€38.160 (Leasing + Betrieb)€38.160 (identisch)
Steuerersparnis GmbH (30%)−€11.448
Geldwerter Vorteil (1%-Regelung)+€6.960/Jahr
Steuer auf geldwerten Vorteil+€3.084/Jahr
Nettokosten 3 Jahre€35.964€38.160 aus Nettoeinkommen = ca. €65.793 Bruttoeinkommen
Ersparnis durch GmbH-Firmenwagenca. €29.829 über 3 Jahre

Dieser Vergleich zeigt: Der Firmenwagen über die GmbH kostet Sie effektiv fast €30.000 weniger über drei Jahre als die private Finanzierung aus versteuertem Einkommen.

Häufige Fehler mit dem Finanzamt

  1. 1.Kein schriftlicher Nutzungsvertrag — führt zur vGA-Einstufung
  2. 2.Fahrtenbuch nachträglich erstellt — wird verworfen, 1%-Regelung greift rückwirkend
  3. 3.Zweitwagen ohne betriebliche Notwendigkeit — Finanzamt erkennt Kosten nicht an
  4. 4.Listenpreis falsch angesetzt — Sonderausstattung vergessen (muss eingerechnet werden)
  5. 5.0,03%-Zuschlag nicht erklärt — Nachzahlung bei Betriebsprüfung
  6. 6.Umsatzsteuer auf Privatnutzung vergessen — Die private Nutzung ist ein umsatzsteuerpflichtiger Vorgang
  7. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Kann die GmbH auch dem Ehepartner einen Firmenwagen stellen?

    Ja, wenn der Ehepartner tatsächlich in der GmbH angestellt ist und die Fahrzeugüberlassung Teil einer fremdüblichen Gesamtvergütung ist. Andernfalls liegt eine vGA vor.

    Was passiert, wenn ich den Firmenwagen privat ins Ausland fahre?

    Grundsätzlich kein Problem — Auslandsfahrten sind private Nutzung und durch die 1%-Regelung abgedeckt. Allerdings sollte die GmbH über eine Grüne Karte (internationale Versicherungskarte) verfügen.

    Kann ich mehrere Firmenwagen in der GmbH haben?

    Ja, solange eine betriebliche Veranlassung besteht. Bei einem Ein-Personen-GmbH mit zwei Firmenwagen wird das Finanzamt allerdings kritisch prüfen. Der zweite Wagen muss betrieblich begründbar sein (z.B. für Mitarbeiter).

    Muss ich Umsatzsteuer auf die Privatnutzung zahlen?

    Ja. Die private Nutzung eines Firmenwagens gilt als unentgeltliche Wertabgabe (§3 Abs. 9a UStG). Die GmbH muss Umsatzsteuer auf den privaten Nutzungsanteil abführen — entweder nach der 1%-Methode oder nach tatsächlichen Kosten.

    Lohnt sich ein Firmenwagen bei geringer Fahrleistung?

    Bei weniger als ca. 10.000 km/Jahr kann die Kostenübernahme von Einzelfahrten (Kilometerpauschale) günstiger sein als ein Firmenwagen. Prüfen Sie die konkrete Berechnung.

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